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In einer Art journalistischem „Selbstversuch”, dessen Ausgang amüsant und erschütternd zugleich war, hatte sich „Welt”-Journalist Tim Röhn
angeschickt, die wissenschaftliche Grundlage einer einzigen der mittlerweile unzähligen Falschbehauptungen von Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach zu ergründen. Anfang des Monats hatte dessen Haus bei Twitter folgende Aussage des Ministers verbreitet: „Mittlerweile wissen wir, dass eine Corona-Infektion zu Hirnschäden und schlimmstenfalls zu Demenz führen kann. Mit der zweiten Auffrischungsimpfung kann die oder der Einzelne die Wahrscheinlichkeit solcher Spätfolgen deutlich verringern – gerade bei den über 60-Jährigen.“ Mit dieser Behauptung wußte Lauterbach wieder einmal mehr als sämtliche Experten und Mediziner.

Denn zum einen wurde die zweite Booster-Impfung noch gar nicht an Menschen getestet, wie Röhn zutreffend feststellt. Zudem hatte kürzlich sogar die hochrangige WHO-Wissenschaftlerin Soumya Swaminathan erklärt, das Wissen über die Wirkung der neuen Impfstoffe sei noch sehr begrenzt.

Bereits vergangenen Monat hatte der Medizinstatistiker Gerd Antes
die Art und Weise kritisiert, in der Lauterbach immer wieder angebliche Untersuchungen zitiert oder echte Studien anführt, um seine wahnhafte Politik zu untermauen, ohne diese offensichtlich überhaupt gelesen zu haben. Im vorliegenden Fall scheinen die Studien aber noch nicht einmal falsch interpretiert oder nur kursorisch gelesen worden zu sein – sondern schlicht nicht zu existieren, sonst hätten seine Ministerialen diese natürlich, wahlweise triumphierend oder notdürftig, präsentiert. Noch grotesker wird diese Posse dadurch, dass das Ministerium diesen und anderen Unsinn auch noch unter dem Titel „Faktenbooster“ hinausposaunt – ein Projekt, mit dem – durch einen sagenhaften zweistelligen Millionenbetrag finanziert – Lauterbachs haltlose Propagandabemühungen in Zeitungen, im Radio und im Netz breitgetreten wird. Darüber wurden in der Vergangenheit dann zum Beispiel solche Märchen verbreitet, dass „etwa zehn Prozent“ aller Corona-Erkrankten hospitalisiert werden müssten – obwohl selbst das dem Gesundheitsministerium unterstehende Robert-Koch-Institut nur von vier bis fünf Prozent gesprochen hatte.

Röhn schließt seinen Bericht mit der Aufforderung an Twitter, seinen harten Kurs gegen Verbreiter von Corona-Falschaussagen endlich auch auf Lauterbach anzuwenden. Dies müsste dann allerdings augenblicklich zu einer lebenslangen Sperre von dessen Account führen.